Der Klimawandel rückt südpazifische Inselstaaten in den Fokus globaler Aufmerksamkeit. Aufgrund ihrer prekären geografischen Lage (ihrer geringen Höhe über dem Meeresspiegel) stellen klimatische Veränderungen eine Bedrohung für die Inselbewohner:innen dar. Laut dem jüngsten IPCC-Bericht könnten die ersten Inselstaaten bereits in den nächsten Jahrzehnten unbewohnbar sein. Die Prekarität südpazifischer Inselstaaten und ihrer Bewohner:innen verschärft sich dadurch, dass erzwungene Migration aufgrund klimatischer Bedingungen nach gängigen rechtlichen Definitionen noch nicht als Fluchtgrund anerkannt wird.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Promotionsprojekt die körperliche Erfahrung der Klimakrise und ihrer Folgen. Von September 2025 bis August 2026 arbeitete D. Castillo mit südpazifischen Inselbewohner:innen in Aotearoa/Neuseeland und Tuvalu zusammen. Viele von ihnen sind Tänzer:innen. Im Rahmen dieser Forschung vor Ort konzentrierte sich das Projekt darauf, wie Einzelpersonen den Klimawandel durch körperliche Praktiken und Techniken wahrnehmen. Tänzer:innen sind in besonderer Weise in Körperwahrnehmung, Raumwahrnehmung und der Untersuchung der räumlichen Beziehung zwischen menschlichen und geografischen Körpern (wie Atollen, Inseln, Inselchen, Lagunen, Meeresböden und Stränden) geschult und versiert. Aus diesem Grund eignen sich Tänzer:innen hervorragend dafür, nachzuzeichnen, wie der Klimawandel auf körperlicher, alltäglicher Ebene wahrgenommen, gefühlt und erlebt wird.
Ausgehend von einem Verständnis der sozialen Choreografie, das die soziale Dimension von Choreografien im ästhetischen Moment verortet – und damit in der individuellen, körperlichen Wahrnehmung und Erfahrung eines:r Tänzer:in – bilden zwei Schwerpunkte das zentrale Forschungsinteresse dieser Doktorarbeit: (1) Die Theoretisierung der körperlichen Erfahrung des Klimawandels und (2) dessen choreografische Aushandlung in Aufführungen von südpazifischen Inselbewohner:innen.