Institut für Theaterwissenschaft

Team

M.A. Daniel Inäbnit

Doktorand

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d.inaebnit@gmx.ch
Postadresse
Universität Bern
Institut für Theaterwissenschaft
Mittelstrasse 43
3012 Bern

Daniel Inäbnit ist seit 2018 freier Doktorand am ITW und forscht zu Queer Performances. Sein Dissertationsprojekt trägt den Arbeitstitel «Strategische Prostitutionskoketterie: Darsteller*innen als angebliche Huren» und wird von Prof. Dr. Beate Hochholdinger-Reiterer betreut. Seit 2019 nimmt er am Doktoratsprogramm (Graduate School) des Interdisziplinären Forschungszentrums für Geschlechterforschung IZFG teil.

Strategische Prostitutionskoketterie: Darsteller*innen als angebliche Huren“
Die Strategie, sich selber in einem szenischen Vorgang als Prostituierte zu verklären, dabei aber den dafür hinreichenden Umstand, effektiv sexuelle Dienste gegen materielle Vergütung auszuüben, nicht (zwingend) zu erfüllen, um damit eine Aura des positiv besetzten Anrüchigen zu erzeugen, soll in der Dissertation als Prostitutionskoketterie bestimmt werden. Es wird sich für diese Begriffsbestimmung als wichtig erweisen, dass sich die darstellende Person selber als Prostituierte inszeniert und die entsprechenden Zuschreibungen nicht ausschließlich vom Rezipienten generiert werden. Als eine wichtige theoretische Grundlage der Arbeit ist die 2014 erschienene Dissertation «Das Theater der Prostitution. Über die Ökonomie des Begehrens im Theater um 1900 und der Gegenwart» von Melanie Hinz zu betrachten. Es ist davon auszugehen, dass die Phänomene Theater und Prostitution schlüssige Beziehungen eingehen. Die Frage, wie ein sinnvoller Übergang von Hinz’ Ökonomie des Begehrens zum eigens erschaffenen Begriff der Prostitutionskoketterie argumentativ zu bilden ist, wird eine Herausforderung des Dissertationsprojekts darstellen. Eine verklärende oder idealisierende Sichtweise auf Prostitution ist vermutlich schon seit der Antike zu beobachten und hat vielerlei Grunde; selbstinszenatorische Aspekte könnten hierbei als Desiderat bezeichnet werden. Ab dem 20. Jh. greifen Literatur und besonders die darstellenden Künste, welche in sog. Metropolitan Räumen geschaffen werden, ihre Protagonist*innen besonders verdichtet als mögliche Huren, nicht nur in einem ablehnend-sexualisierten, sondern teilweise auch affirmativen oder verklärenden Kontext auf. Dies ist bis heute in der Populärkultur festzustellen - auch aus angeblich emanzipatorischen Gründen. Ein äußerst ironischer, subversiver aber auch höchst euphemistischer Blick auf Prostitution ist überdies besonders in der so genannten LGBTIQ*-Community festzustellen, als  deren theatrales Aushängeschild zeitgenössische Drag-Performer*innen bezeichnet werden können, welche im Projekt den Hauptuntersuchungsgegenstand darstellen.