Dramaturgie. Die Kunst des Aufräumens

Habilitationsprojekt von Dr. Beate Schappach

Betreuer: Prof. Dr. Andreas Kotte

In den letzten Jahren ist eine markante Zunahme des öffentlichen Interesses an Dramaturgie auszumachen. Publikationen, Ausbildungs- und Studiengänge labeln sich selbst unter dem Begriff Dramaturgie: Mediendramaturgie und Eventdramaturgie kann man erlernen, Lesestoff zur Dramaturgie der Angst und zu derjenigen des Unbewussten steht zur Verfügung, Ratgeber für die Gestaltung von Unterrichtsstunden oder für private Diashows führen Dramaturgie im Titel. Die inflationäre Nutzung des Begriffes führt zu einer Loslösung von jenen Konzepten, die in der Theaterpraxis entwickelt und in der Theaterwissenschaft reflektiert wurden. Entgegen diesem wachsenden Interesse an dem Begriff Dramaturgie scheint er an der Mehrzahl der deutschsprachigen theaterwissenschaftlichen Institute in den Hintergrund gerückt zu werden, wovon Einführungen in das Fach zeugen. Zwei der drei aktuellen Einführungen verzichten auf ein eigenes Kapitel zur Dramaturgie. Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, die theaterwissenschaftliche Expertise im Bereich Dramaturgie in den aktuellen Diskurs einzuspeisen und damit zu einer substantielleren und differenzierteren Verwendung der Konzepte beizutragen. Zum einen sollen die aktuellen Definitionen, Fragestellungen und Kontroversen zur Dramaturgie in Wissenschaft, Ausbildung und Theaterpraxis kartiert werden. Zum anderen werden klassische und neu erarbeitete dramaturgische Begrifflichkeiten übersichtlich und praktikabel dargestellt. Ihr Nutzen wird in Einzelstudien diskutiert. Die Auseinandersetzung mit Dramaturgie fördert einen gewinnbringenden Dialog zwischen Theaterwissenschaft und anderen Wissenschaften sowie Praktiker/innen aus Theater, Künsten und Medien.